Dagmar Derck
29
Mai
Ein
Kommentar

Märchen-Turm-Zeitreise – Familienerlebnis mit tollen Ein- und Ausblicken

Kürzlich war Tag der Gästeführer im Schwäbischen Donautal. Wir hatten die Qual der Wahl. Ergebnis war ein wunderschöner, nachhaltig in Erinnerung bleibender Vormittag im Leipheimer Moos und der Vorsatz, uns bald einmal wieder auf eine Gästeführung zu begeben. Letzte Woche war es soweit. Wir gingen auf Märchen-Turm-Zeitreise mit der Glöcknerin zu Sankt Veit in Leipheim. Eine gelungene Familien-Führung!

Treffpunkt war um 16 Uhr direkt am Turm der evangelischen Kirche St. Veit in Leipheim (nicht beim Kircheneingang) – gegenüber dem imposanten Schloss Leipheim mit Schlosshof und Zehntstadel, das uns bereits beim Ankommen in Leipheim verzaubert und auf mehr neugierig macht. Wir sind aber etwas knapp dran und so muss der Blick in den Schlosshof und auf das beeindruckende Kulturprogramm noch ein wenig warten.

Hier soll's rauf gehen! Der Turm zu St. Veit in Leipheim.

Hier soll’s rauf gehen! Der Turm zu St. Veit in Leipheim.

Marie, die Glöcknerin zu St. Veit, erwartet uns gemeinsam mit anderen großen und kleinen Führungsteilnehmer(inne)n bereits und legt im detailgetreuen historischen Kostüm und mit beeindruckendem Elan auch direkt los und nimmt uns mit auf Zeitreise. Zunächst erfahren wir Einiges zu den Hintergründen des Turms an sich, dann geht es hinein. „Oh, cool,“ ist die spontane Reaktion unserer Kleinen, als es in den schmalen Aufgang die ersten Turmstufen hinaus geht.

Wir erfahren unterhaltsam dargebotene Geschichte zum Turm, den Kirchturm-Glocken, zur Technik und dass die Glocken heute komplett elektrisch betrieben werden. „Warum sind wohl diese Löcher in den alten Holzböden zwischen den einzelnen Etagen des Turms?“, ist nur eine von vielen Fragen, mit denen Marie ihre kleinen Zuhörer einbindet. Na klar, hier führten die Seile zum Läuten der Glocken durch.

Mit Taschenlampen bestückt dürfen wir zum weiteren Aufstieg auch den „Geheimgang“, die gemauerten, schmalen Stufen durch das dunkle Gemäuer nehmen. Spannend natürlich!

Das alte, beeindruckende Uhrwerk ist noch erhalten und zu bestaunen. Marie öffnet dessen Türen für uns und zeigt im Größenvergleich auch das Uhrwerk ihrer Taschenuhr.

Nachdem wir die Glocken haben läuten hören (wenn man direkt daneben steht, muss man vorsichtshalber auch einmal die Ohren zuhalten) und die Kinder auch selbst die Klöppel schlagen durften, steigen wir weiter hinauf.

„Ah, oh!“, schließlich erreichen wir die Türmerwohnung – 1594 wurde sie bereits als Turmwächterwohnung erwähnt – mit allerhand Utensilien unserer bereits lieb gewonnenen Marie. Ihr Bett, Ihre Laute, Ihre Waschmöglichkeit mit „Toilette“, die damals einfach aus dem Turm heraus nach außen entleert wurde, Ihr Tischchen, etc. etc.. Die Kinder sind fasziniert und fragen sich, ob Marie dort wirklich wohnt, warum ihre Bettdecke mit Stroh gefüllt ist, warum an ihrer Laute eine Saite fehlt, usw. – Kinderfragen, die natürlich auch beantwortet werden.

Die letzte Türmerfamilie – Ehepaar Matthäus und Katharina Reutter – so hören wir, wohnte bis 1934 bewohnt und zog dann in das darunter liegende Mesmerhaus (das heute nicht mehr existiert).

Die Erwachsenen lauschen gerne mit, mindestens ebenso beeindruckend sind für sie aber die herrlichen Ausblicke aus dem Türmerzimmer auf die Stadt Leipheim, den Schlosshof und das weite Schwäbische Donaumoos. Phantastisch, das alles auf diese Art und Weise einmal von oben erleben zu dürfen!

Marie beschreibt den Kindern, die sich gemütlich auf ihren Fellen und Teppichen nieder lassen dürfen, noch mehr Historisches. So märchenhafte Erzählungen wie das vom Froschkönig und von  Strohhalm, Kohle und Bohne. Einfach schönes Erzähl-Ambiente hier oben.

Langsam kehren wir wieder in die Realität zurück und treten unseren Abstieg an. Kurzweilige 1 1/2 Stunden sind schon vorbei. Wie immer ist es schwieriger, die erklommenen Stiegen wieder hinunter zu kommen als hinauf. Marie aber bietet dem ein oder anderen kleinen Gast gern ihre helfende Hand. Die Empfehlung in der Führungsausschreibung „für Kinder im Alter von 4 bis 10 Jahren – Kinder jeweils in Begleitung eines Erwachsenen“ ist durchaus beachtenswert, stellen wir hier fest. Wir kommen alle immer noch etwas verträumt, aber wohlbehalten unten an.

Zum Setzen lassen des Erlebten bietet sich ein kleiner Stadtrundgang durch Leipheim noch an. Zum Heimat- und Bauernkriegsmuseum „Blaue Ente“, in den Schlosshof, zum Zehntstadel (leider hat das dortige Restaurant heute Ruhetag), durch die Leipheimer Innenstadt. Wir kommen sicher einmal wieder – vielleicht das nächste mal auch auf einer Radtour.

Das komplette und vielfältige Angebot an Stadt- bzw. Kulturführungen von Marianne Winkler ist inklusive Terminen auf der homepage der Stadt Leipheim zu finden. Die nächste Märchen-Turm-Zeitreise findet übrigens am 13. Oktober 2016 um 16 Uhr statt. Unbedingt schonmal vormerken!

Und weitere vielfältige Führungen durch Natur und Kultur der Gästeführer Schwäbisches Donautal sind zu finden auf www.gaestefuehrer-schwaebisches-donautal.de.

Kommentare
Das sagen andere ...
  1. Marie, "die Glöcknerin zu Santk Veit" says:

    Seyd gegrüßet, wohlwollende Besucherin, mit ihren Kindern Gast in meiner bescheidenen Türmerwohnung zu St. Veit.
    Mit Verzücken habe ich die lobenden Worte und Eure Eindrücke in Wort und Bildern vernommen und gesehen. Seyd vielmals gedanket und gehabet Euch wohl – Eure „Glöcknerin zu St. Veit“

Deine Meinung dazu ...