Angelika Tittl
13
Jul
Keine
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Familienausflug auf den Spuren der Römer in Bayern

Mit einem Juristen zu den Römern
… klingt trocken und zahlenlastig. Kann so etwas Spaß machen? Die Auflösung vorneweg – kann es! Denn Leonhard Menz und seine Frau Anneliese, beide Gästeführer im Schwäbischen Donautal wissen zu begeistern. Erstens für die Römer und zweitens für die Gegend um Faimingen.

6 Kinder und 13 Erwachsene waren wir, die die Schnuppertour der beiden Gästeführer im Schwäbischen Donautal testen wollten. Treffpunkt war in Faimingen zwischen Gundelfingen und Lauingen, in Bayerisch-Schwaben, gelegen. Eigentlich hätte der Name der Straße als Treffpunkt uns schon einstimmen müssen – Römerstraße, aber darauf hatte zunächst niemand geachtet, brachte doch das „Navi“ uns zum Ausgangspunkt. Erstaunlich war, dass Autos vorfuhren mit so exotischen Kennzeichen wie GL, NE und K, natürlich gab es auch GZ, DLG und NU. Man staunte wirklich als die ersten sagten Sie kommen aus Köln. Ok da waren die Römer auch, aber deshalb bis ins über 400 Kilometer entfernte Faimingen zu fahren? Die Lösung war schnell gefunden. Eine Familienfeier brachte die auswärtigen Gäste in unsere Region.

Familie Menz erklärt die damalige Geländeaufteilung rund um Faimingen.

Familie Menz erklärt die damalige Geländeaufteilung rund um Faimingen.

Eine kunterbunte Truppe begab sich auf die Spuren der Römer. Herr und Frau Menz langweilten erst gar nicht mit vielen Jahreszahlen – lediglich zwei Zahlen sollten wir uns zunächst merken 69 kamen die Römer über die Donau nach Faimingen und 300 n. Chr. ging es über die Donau zurück nach Aislingen. Unser Spaziergang brachte uns auf einem recht unspektakulären Feldweg geradeaus aus Faimingen hinaus – Römerstraße 25 / 31 war zu lesen. Doch dann zeigte Herr Menz, der Jurist, uns alte Bilder und Zeichnungen und legte richtig los – Geschichtsunterricht auf unterhaltsame Weise, das war mir schnell klar. Er veranschaulichte uns, dass die Römer die Straße von hier bis Wittislingen schnurgerade bauten – übrigens alle Straßen und alle sieben Meter breit. Wir erfuhren, dass die Römer immer alles nach genau den gleichen Plänen bauten Straßen, Dörfer, Tempel usw. – Kollektivismus statt Individualismus lautete damals die Devise. Ein Seitenhieb auf die 13 individuellen Brücken bei der neuen B 16 konnte sich Herr Menz nicht verkneifen und so mancher mit Kennzeichen GZ oder DLG schmunzelte.

Aber auch für den Nachwuchs blieb es spannend. Wisst ihr wie groß das Gelände der Römer in Faimingen war – lautet die Frage. Damit es einfacher wurde, fragte Herr Menz nach der Zahl der Fußballfelder. Mache Kinder tippten richtig gut – ganze 56 Fußballfelder umfasste das ehemalige römische Gelände in Faimingen. Interessantes erfuhren wir auch über den Totenkult. Römer möchte man sein, wurde man sogar mit einer Münze auf der Zunge und mit einer Öllampe bestattet, damit man im Jenseits immer gut versorgt ist.

Jetzt kam moderne Technik zum Einsatz – via Smartphone konnten wir die Melodien der Klageweiber hören. Herr Menz selbst schon im Alter der „Silver Ager“, wie man heute so neudeutsch sagt, hat auch gleich noch Infos für die Generation unter 20 parat. Er fragte die junge Generation mit was Sie heute kommunizieren. SMS und whatsapp war als Antwort natürlich vorprogrammiert. Aber, dass selbst die alten Römer mit Abkürzungen kommunizierten war allen total fremd: „po stand für pontefex“,“i für imperator“ um nur zwei Beispiele zu nennen. Da ist es nur logisch, dass 2000 Jahre später die junge Generation schreibt „akla“ alles klar oder „dg“ für dumm gelaufen.

Römische Weihezeremonie am Apollo-Grannus-Tempel in Faimingen

Römische Weihezeremonie am Apollo-Grannus-Tempel in Faimingen

Gästeführertag Mai 2016-4

 

 

 

 

 

 

Anschließend machten wir uns auf den Weg zum Apollo-Grannus-Tempel in Faimingen. Hier hat sich Familie Menz etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Wir erfuhren nicht nur viel über den Tempel sondern waren live bei einer Priesterzeremonie dabei. Mit Tunika und ohne Schuhe wurden wir von Herrn und Frau Menz ausnahmsweise mitgenommen in das Heiligste des Tempels. Während der Zeremonie gab es strenge Regeln. Überrascht hat uns eine Regel – keine menschlichen Winde während der Zeremonie. Gott sei Dank standen gestern nicht Linsen mit Spätzle auf dem Speiseplan. Auf jeden Fall war das Programm der Gästeführer sehr unterhaltsam, es gab sogar noch römischen Wein (Johannisbeersaft) und Kekse.

Es gibt leckere Kekse nach altem römischen Rezept

Es gibt leckere Kekse nach altem römischen Rezept

Alle waren sich einig, ein Ausflug zu den Römern mit einem Juristen wie Herrn Menz ist alles andere als eine trockene Angelegenheit. Die Gästeführertour ist ein Angebot im Dillinger Land, nähere Informationen findet man unter www.dillingerland.de oder www.gaestefuehrer-schwaebisches-donautal.de

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