Conny Bäuml
07
Mai
Keine
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Schlossbesichtigung mal anders: Küchenführung auf Schloss Baldern

„Mama, wo haben die Leute im Schloss eigentlich gekocht?“ Mit dieser Frage sah ich mich jüngst nach einer Schlossbesichtigung konfrontiert. Und ja, es stimmt! Wieso bekommt man bei Schlossführungen eigentlich immer nur die Räumlichkeiten der „Herrschaft“ zu sehen? – Bis wir von der Küchen- und Dienstbotenführung auf Schloss Baldern hörten…

Wenn das nicht DIE Gelegenheit ist, einmal Einblick in eine ganz andere Seite des Schlosslebens zu bekommen!

Und so nutzen wir einen der trüben April-Samstage und machen uns auf den Weg nach Baldern. Vom Parkplatz unterhalb dieses barocken Schlosses geht es noch ein kleines Stück zu Fuß den Berg hinauf. Kein Problem für uns: Wir stehen pünktlich zu Führungsbeginn beim Schlosscafé parat.

Eingangstor Schloss Baldern

Eingangtor Schloss Baldern

Wir haben Glück:

Die Gruppe der Führungsteilnehmer ist sehr überschaubar und so können wir den Führer nach Herzenslust mit Fragen löchern.

Los geht diese etwas andere Führung im Brunnenhaus des Schlosses. Der Brunnen, den wir hier zu sehen bekommen, bohrt sich sage und schreibe ca. 80 m tief ins Gestein! Erstaunlich, wie viele lange Sekunden vergehen, bis von uns in den Brunnen geschüttetes Wasser ganz unten auf der Wasseroberfläche auftrifft!

Tiefer Brunnen auf Schloss Baldern

Tiefer Brunnen auf Schloss Baldern

Laufrad für Hamster, Mensch oder Esel?

Laufrad für Hamster, Mensch oder Esel??

Aber hier im Brunnenhaus gibt es noch mehr zu sehen. Mittels Laufrad – ähnlich eines überdimensionalen Hamsterrades – konnten Lasten, 10 mal so schwer wie das Körpergewicht der Läufer (!), nach oben zum Schloss befördert werden. Offen bleibt nur, ob die „Hamster“ hier durch Menschen oder durch echte Esel ersetzt wurden…

Und schon geht es weiter in die Waschküche, wo die vorbei ziehenden Waschweiber regelmäßig ihre anstrengende Arbeit verrichteten und dabei die neuesten Neuigkeiten aus allen Landen mitbrachten. „Geschwätzig wie die Waschweiber“ eben.

Erstaunlich, wie man sich in Zeiten ohne elektrische Haushaltsgeräte zu helfen wusste!

Nicht nur die Mangel, die durch viel Muskelkraft zu bedienen war, verblüfft uns. Auch eine Gefriertruhe, die nahezu das ganze Jahr – ganz ohne Strom – am Laufen gehalten werden konnte, ist auf Schloss Baldern zu sehen.

Dann aber geht’s ans Eingemachte: die Behausung der Bediensteten.

Um die 15 Menschen waren hier vor mehr als 200 Jahren in einem feuchten, kalten und zugigen Raum untergebracht. Der Boden aus gestampftem Lehm. Kein Wunder, dass die Lebenserwartung hier bei gerade einmal 30 bis 35 Jahren lag! Wie gut hatten es die Glücklichen, die auf der „Sonnenseite“ des Schlosses geboren worden waren.

Frühere Behausung für ca. 15 Bedienstete

Frühere Behausung für ca. 15 Bedienstete

Nachdenklich kommen wir nun zum

Highlight der Führung: die Küche selbst!

Hier sind ein Herd mit „Wassertasche“ sowie alle möglichen Küchengeräte zu bestaunen. Vom Fleischwolf bis zur Kartoffelpresse, vom Wiegemesser bis zum Hackstock, von verschiedenen Möglichkeiten der Vorratshaltung bis zur Holztrage – alles da!

Die Küche - das "Herz" des Schlosses

Die Küche – das „Herz“ des Schlosses

Perfekt eingerichtet - Küche von Schloss Baldern

Perfekt eingerichtet – Küche von Schloss Baldern

Herd und Holztrage (im Vordergrund)

Herd und Holztrage (im Vordergrund)

Apropos Holztrage: Diese Trage war ein sehr wichtiges Hilfsmittel zur Befüllung der Öfen. Das Schloss verschlang nämlich in der kalten Jahreszeit täglich eine Holzmenge fast so groß wie ein kleiner Kellerraum!

Noch mit dem Bild des lebhaften, damaligen Küchentreibens vor Augen, geht es nun eine enge, steile Wendeltreppe hinauf.

Hier hinauf musste die Dienerschaft die Speisen auf schweren Tabletts balancieren. Sicher keine leichte Aufgabe. Wir haben schon Mühe, ganz ohne Ballast nicht zu stolpern. Oben angekommen galt dann: „Bis hier her und nicht weiter!“ Vor dem Speisesaal der Herrschaft wurden die Speisen nämlich von der Mamsell entgegen genommen und serviert. Das gewöhnliche Personal hatte hier keinen Zutritt.

Wir allerdings schon! Um die Gegensätze noch einmal hautnah zu spüren, dürfen wir zum Ende der Führung noch den damaligen, beheizbaren Speisesaal der Grafen und Fürsten von Oettingen – mit seiner verlängerbaren, langen Tafel – besichtigen.

Im wahrsten Sinne die „Krönung“ ist jedoch der atemberaubend prachtvolle, barocke Festsaal, ganz oben im Schloss. Fast glauben wir, die Musik früherer (und heutiger) Festlichkeiten noch aus den Wänden klingen zu hören…

Von so viel Glanz konnte die Dienerschaft natürlich nur träumen.

So nah und doch so fern.

Für uns jedoch ganz nah ist nach der Führung glücklicherweise das Schlosscafé. Da lassen wir uns doch gleich ein Stückchen Kuchen schmecken. Für den kleinen Biergarten im Schlosshof ist es leider noch zu kalt (geöffnet ab 1. Mai).

Vielleicht habt ihr bei eurem Besuch ja mehr Glück mit den Temperaturen!?

Dazu wollen wir euch diesen speziellen Familien-Ausflugstipp nicht vorenthalten, von dem wir bei unserer Führung erfahren haben: An Pfingsten werden auf Schloss Baldern wieder spezielle Familienführungen sowie „Ferienspaß für Kinder“ angeboten.

Garantiert "auf Wiederseh'n" Schloss Baldern!

Garantiert „auf Wiederseh’n“ Schloss Baldern!

Für was ihr euch auch entscheidet – wir wünschen euch schon jetzt viel Spaß im barocken Schloss Baldern!

Bis zum nächsten Mal!

Die Küchenführung findet übrigens während der Saison (Ostern bis Ende Oktober) jeden Samstag um 14 Uhr statt.

Die Standard-Schlossführung wird innerhalb der Öffnungszeiten sogar stündlich angeboten.

Hier findet ihr Infos zu Öffnungszeiten sowie Eintrittspreisen.

 

 

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