Angelika Tittl
31
Aug
Keine
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Weltgeschichte er-radeln – Eine Familien-Radtour im bayerischen Spätsommer

Die letzten Tage im August eigneten sich perfekt für eine entspannte Radtour im Schwäbischen Donautal, denn der Spätsommer zeigt sich derzeit von seiner besten Seite. Wir haben uns für eine Spurensuche auf dem Gelände der Schlacht von Höchstädt entschieden. Auf den Sattel und los – 29 Kilometer er-radel-bare Weltgeschichte auf dem Denkmalweg 1704 warten. Hier wird Geschichte greifbar.
Die geschichtsträchtige Radtour startet im bayerischen Höchstädt an der Donau. Hier im Schloss besuchten wir zu Beginn der Radtour die Dauerausstellung zur Schlacht 1704.

Schloss Höchstädt

Schloss Höchstädt

Die Schlacht von Höchstädt stellte die maßgeblichen Weichen im Spanischen Erbfolgekrieg – der weltumspannenden Auseinandersetzung um das spanische Reich und um die Zukunft der politischen Ordnung Europas.

Zinnfigurendiorama im Heimatmuseum Höchstädt

Zinnfigurendiorama im Heimatmuseum Höchstädt

 

Der ca. 7 km lange Frontverlauf erstreckte sich von Lutzingen über Oberglauheim bis Blindheim. Wir erfahren, dass die Franzosen und das verbündete Bayern verloren haben und mit der Schlacht von Höchstädt der unaufhaltsame Aufstieg Englands zur hegemonialen See-, Handels- und Kolonialmacht bis ins 20. Jahrhundert begann. Zahlen sagen leider oft mehr als tausend Worte: 8 Stunden Krieg, 110.000 beteiligte Soldaten und 25.000 Tote. Gott sei Dank sind diese Zahlen nun schon über 300 Jahre Vergangenheit.

Nun wollen wir die Geschichte selbst er- radeln.

Infostele für Radfahrer am Denkmalweg 1704

Infostele für Radfahrer am Denkmalweg 1704

Wir fahren nach Lutzingen und zur Goldbergalm. Wer hier etwas über die Schlacht 1704 erfahren möchte leiht sich am besten im Restaurant einen iPod aus oder lädt sich die Lauschtour Sagenhaft Station 1 auf sein Smartphone herunter.  Hier geht´s direkt zum Download.
Bei der Pause auf der Terrasse der Goldbergalm schweift unser Blick weit über das Land und wir erleben die Geschichte via Hörbuch (Lauschtour) live mit, nun kann man sich tatsächlich vorstellen wie hier einst Truppen kämpften. Weiter geht es in Richtung Unterliezheim am Eichbergerhof vorbei. Hier soll der große kaiserliche Feldherr Prinz Eugen am Morgen des 13. August 1704 vor der Schlacht sein Hauptquartier genommen haben, um von dort aus den Vormarsch preußischer und dänischer Infanterie und der kaiserlichen Artillerie und Kavallerie zu dirigieren und zu beobachten.

Katholische Pfarrkirche Maria Immaculata in Schwennenbach

Katholische Pfarrkirche Maria Immaculata in Schwennenbach

Die Wallfahrtskirche in Schwennenbach ist heute ein Ort der Ruhe und inneren Einkehr. 1704 wurde Schwennenbach im Krieg mit Ausnahme der Kirche komplett niedergebrannt.
Auf dem Weg nach Unterglauheim machen wir einen Abstecher zum Berghausener Reiterstüble, das wie der Name schon sagt oben am Berg liegt, aber das in die Pedale treten lohnt sich! Auf Wunsch gibt es im Reiterstüble auch ein Menü aus der Zeit um 1704.

Wir Oldies erfreuen uns im friedlichen Garten heute an einer Brotzeit mit hausgemachter Wurst und Rauchfleisch, während der Nachwuchs eher die Tiere auf dem Hof der Familie Lenz im Fokus hat. Übrigens liegt der Hof auf einem ehemaligen Feldherrnhügel des Herzog von Marlborough und bietet uns jetzt mit vollem Bauch eine tolle Abfahrt. In Blindheim erinnert das Geschichtsdenkmal am Kirchplatz noch heute an die Schlacht von 1704. Dass hier im beschaulichen Blindheim (engl. Blenheim) Marlboroughs Truppen kämpften, kann man sich eigentlich nur schwer vorstellen. Zu Hause im Internet konnten wir nachlesen, dass der Herzog von Marlborough als Belohnung für seinen grandiosen Sieg von der englischen Königin Ann danach ein Schloss geschenkt bekam, das deshalb Blenheim Palace genannt wurde. Blenheim Palace ist heute im Besitz des elften Herzogs von Marlborough – es ist gigantisch groß und neben Palast auch eine Destination für Messen, Tagungen und Feste umgeben von herrlichen Seen und Parkanlagen.

Ausblick über das ehemalige Schlachtfeld der "Battle of Blenheim"

Ausblick über das ehemalige Schlachtfeld der „Battle of Blenheim“

Vorbei an Feldern und Seen fahren wir zurück nach Höchstädt. Dort lassen wir den Tag gemütlich im Cafe ausklingen, natürlich nicht ohne ein Eis als Belohnung für die jungen Radler. Mit einem Ohr hören wir, wie hier und heute auch Weltgeschichte diskutiert wird. Am Nachbartisch geht es um die aktuelle „Höchstädter Weltgeschichte – die Ortsumfahrung“.

Schloss Höchstädt: Öffnungszeiten: April -9. Oktober: 9-18 Uhr, Montag geschlossen; (ausgenommen Feiertage)

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