Conny Bäuml
19
Okt
Keine
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„Tischlein deck dich“ und viel mehr im Oettinger Schloss

„Wie haben echte Prinzessinnen früher gelebt? Hatten sie Spielsachen wie die Kinder heute? Wie ist es überhaupt in so einem Schloss?“ Und: „Mussten Prinzessinnen früher auch schon so vornehm mit Messer und Gabel essen?“
Diesen Kinderfragen mussten wir vor Kurzem unbedingt sofort nachgehen! Und so machten wir uns auf die Suche nach Antworten – bei einer Kinderführung im Residenzschloss Oettingen.

Kaum beim Oettinger Residenzschloss angekommen und den prächtigen Brunnen im Schlosshof bestaunt, nahm uns die Führerin auch schon mit hinauf in die ca. 350 Jahre alten Gemäuer.

Wie es wohl gewesen sein mag, hier zu wohnen?

Im Sommer auf jeden Fall schön kühl, aber im Winter? Da war ein Großteil der hohen Räume unbeheizt. Brrrr!

Apropos Räumlichkeiten: Es gibt innerhalb der Schlossanlage sogar einen extra Prinzessinnenbau, der seinen Namen von den 9 kleinen Prinzessinnen hatte, die dort einst zusammen mit ihren 5 Brüdern lebten. Wir erfuhren, dass das Familienleben kaum mit dem heutigen zu vergleichen war. Die Kinder durften das „richtige“ Schloss nämlich gar nicht erst betreten! Obwohl man dort sicher traumhaft Verstecken und Fangen hätte spielen können…!

Die kleinen Teilnehmer der Kinderführung staunten nicht schlecht, als sie hörten, dass es für die kleinen Prinzen und Prinzessinnen nicht einmal Spielsachen gab!

Schon die Kleinsten wurden in Korsetten eng geschnürt

Schon die Kleinsten wurden in Korsetten eng geschnürt

Aber dem nicht genug! Eine weitere Unannehmlichkeit für die kleinen Prinzessinnen konnte man den großen Wandgemälden im Schloss entnehmen: Schon die ganz Kleinen wurden in ihren Korsetten so fest geschnürt, dass es fast schon an der Tagesordnung war, hin und wieder vor Atemnot ohnmächtig zu werden!

Vielleicht war Prinzessin sein ja doch nicht so beneidenswert?

Jetzt aber ans Eingemachte: Wie war das nun mit den Tischsitten? Die Kinder hörten verwundert, dass man im 18. Jahrhundert ausschließlich mit Löffel, Messer und den Fingern aß! Wo war denn da die Gabel? Gab es nicht! Wie bitte? Um nicht an den Dreizack des Teufels erinnert zu werden, gab es tatsächlich nur Vorlagegabeln mit zwei Zacken.

Dafür war der Löffel um so wertvoller. Jeder besaß nur einen Löffel im Leben und musste somit am Ende „den Löffel abgeben“.

Tatsächlich: Nur runde Messer und 2-zackige Gabeln

Tatsächlich: Nur runde Messer und 2-zackige Gabeln

Aber auch mit den Messern hatte es eine besondere Bewandtnis, die von den Kindern interessiert aufgenommen wurde: Nachdem man sich gerne mit den spitzen Messern in den Zähnen gepuhlt hat, wurden die diese irgendwann von abgerundeten Messern abgelöst. Somit hatte das unappetitliche Bohren bei Tisch ein Ende.

Als Höhepunkt der Tischkultur konnten die Kinder zwei prachtvoll gedeckte Festtagstische – von früher und von heute – bestaunen. So schmaust(e) man also bei fürstlichen Empfängen.

Tischkultur heute

Tischkultur heute

Tischkultur früher

Tischkultur früher

Dabei ist den Kindern allerdings eines besonders im Gedächtnis geblieben: die von Ludwig IVX eingeführten Pupswettbewerbe! Ja, tatsächlich! Da war größtes Gelächter vorprogrammiert. Ansonsten gab es zum Essen wohl oft recht laute musikalische Untermalung. Warum? Dadurch war das laute Pupsen, Rülpsen und Schmatzen nicht zu hören!

„Oder war manches damals DOCH nicht so schlecht?“, schmunzelten die Kinder.

Hochzeitskutsche aus dem 19. Jhd.

Hochzeitskutsche aus dem 19. Jhd.

Zum Abschluss verließen wir die edlen Räumlichkeiten und konnten verschiedene alte Kutschen und Transportmittel bestaunen. Als Highlight zum Schluss durfte jedes Kind sogar noch eine echte Hochzeitskutsche aus dem 19. Jahrhundert besteigen.

Prinzessinnenfeeling pur!

So sahen also die Transportmittel aus

So sahen also die Transportmittel aus

 

Insgesamt bleibt zu sagen, dass die Führerin mit vielen kleinen Geschichten aus dem Alltag genau den Nerv der Kinder (und auch der Erwachsenen) getroffen hat. Die Stunde im Schloss war im Nu vorbei und es ist überraschend viel Wissen bei den Kleinen hängen geblieben. Aber auch die Großen konnten viel Neues erfahren.

Familienprädikat: Wertvoll!

Wer sich beeilt, kann – vor der Winterpause – noch bis 1. November an einer Führung im Oettinger Schloss teilnehmen. Die Sonderausstellung „Tischlein deck dich“ wurde jüngst sogar bis 31. August 2016 verlängert.

Wir sind schon gespannt auf das Führungsprogramm im nächsten Jahr!

Ein besonderer Tipp im Oettinger Residenzschloss sind übrigens auch die regelmäßig stattfindenden und von einer Schauspielerin toll moderierten Residenzkonzerte für Kinder. Aber davon ein andermal…

 

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